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An(ge)dacht
 

An(ge)dacht

Gottes Seh-Hilfen                                     von Tobias Sommer
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Corona ist nicht nur ein Virus. Corona ist auch so etwas wie ein Vergrößerungsglas. Eine Lupe, durch die hindurch ich bestimmte Dinge deutlicher sehe. Niemand würde sagen, dass solch ein optisches Instrument die Dinge, die man dadurch betrachtet, erst entstehen lässt. So ähnlich ist das mit Corona auch. Wer möchte ernsthaft behaupten, dass die gesellschaftlichen und kirchlichen Probleme, die gerade  deutlich hervortreten, erst dadurch entstanden sind? Sie waren auch vorher schon da, kleiner vielleicht, unscheinbarer, aber da. Die Einsamkeiten, die Ignoranzen und Egoismen, die Lieblosigkeiten.
"Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!", so sagt es die alttestamentlich-jüdische Weisheit, aufgeschrieben im 3. Jahrhundert vor Christi Geburt. Der Monatsspruch für Mai weist darauf hin, dass Menschen sich damals wie heute ebenso wenig bzw. ebenso viel für das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen interessiert oder eingesetzt haben. Der Bibelvers hält dagegen: Schau nicht weg, wenn Hilfe gefragt ist. Bleib nicht stumm, wenn Ungerechtigkeit schreit. Egal, ob in deinem nahen Umfeld oder in der Ferne. Was bedeutet dieser Satz für mich heute? Ich weiß ja, dass jeder etwas anderes als gerecht bzw. ungerecht empfindet. Mit der Weisheit des Monatsspruchs schenkt uns Gott auf der Suche danach aber so etwas wie eine Lupe: das Ziel der Gerechtigkeit darf niemals mein eigener Vorteil sein. Sie muss immer zuerst den oder die Anderen in den Blick nehmen. „Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!" Nicht stumm bleiben, sondern den Mund aufmachen. Nicht die Hände in den Schoß legen, sondern handeln. Und bei all dem nicht vergessen, dass nicht ich es bin, sondern ein anderer es ist, der mich dazu aufruft: Hörst du den Ruf dieser Weisheit noch? Den Ruf der Propheten? Den Ruf Jesu in die Nachfolge der Liebe und Barmherzigkeit? Was hat er dir heute zu sagen? An was erinnert er dich? Wie kannst du ihn in dein Leben hineinnehmen? Ehrlich gesagt: Auf den ersten Blick sehe ich im Moment nicht viel davon. Da scheint jeder nur um sich selbst bemüht. Wenn ich aber genauer hinschaue, dann erkenne ich, wie auch jetzt in der Corona-Zeit viele Menschen dem Ruf Jesu folgen – unscheinbarer als sonst, aber umso leidenschaftlicher. Das macht mir Mut und gibt mir Hoffnung. Gott sei Dank erhalte ich ab und zu solche "Sehhilfen", die mich das Scheitern, wie auch das Gelingen besser sehen lassen.

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