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An(ge)dacht
 

An(ge)dacht

Streitfall Maske                                       von Tobias Sommer
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Ich bin kein Freund der Maske. Wer ist das schon? Sie behindert mich im Alltag. Aber heißt das auch, dass ich sie nicht tragen muss? Ich mag auch Steuererklärungen nicht. Und dennoch muss ich sie machen. Maske ja oder nein – das ist für mich ehrlich gesagt keine moralische oder politische Frage. Ich möchte weder die Kritiker verächtlich machen, noch darüber urteilen, ob die Corona-Maßnahmen sinnvoll, richtig oder gerechtfertigt sind. Mir geht es als Seelsorger nur um die Not der Betroffenen und die Angst der Risikogruppen – nicht abstrakt irgendwo, sondern ganz konkret hier bei uns vor Ort.
Die Jahreslosung aus dem Lukasevangelium passt in diese Zeit. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lk 6,36) Jesus fordert von denen, die ihm nachfolgen, radikale Barmherzigkeit. Nicht nur ein bisschen, wenn es gerade passt, sondern eine Haltung, die alle Beziehungen beeinflusst, in denen ich lebe. Jesus weiß natürlich, dass uns das nicht so gelingt, wie es sein müsste. Aber seine Vorgabe nimmt er deshalb nicht zurück. Für ihn ist mit Barmherzigkeit auch nicht so ein nettes und freundliches Getue gemeint. Es ist die Liebe Gottes, die wie ein Strom jegliches Ansehen der Person überläuft. Gott schaut uns als die an, die wir sind. Und er wendet seinen Blick nicht ab – nicht von den Armen, nicht von den Kranken und Sterbenden, nicht von den Idioten oder Besserwissern, weder von Maskengegnern noch von Befürwortern. Er schaut mich einfach an. Und sein Blick lädt mich ein, genauso in meine Welt zu schauen.
Wenn Menschen bewusst oder leichtfertig Regeln verletzen, wie zum Beispiel die Maskenpflicht im Gottesdienst oder die Abstandsregeln beim Adventsblasen, dann ist das nicht nur ein Vergehen gegen geltende Gesetze. Es bringt vor allem andere Menschen an Leib und Seele in Bedrängnis: Kranke und Alte, Verantwortliche unserer Kirchgemeinde, Musizierende und nicht zuletzt diejenigen, deren Seele sich nach alledem sehnt. Wer sich nicht an die Regeln hält, setzt diese Gemeinschaft aufs Spiel. Auch wir als Christen haben uns doch an Gesetze zu halten. Nur dann, wenn sie den Grundfesten unseres Glaubens widersprechen, dürfen wir dagegen aufstehen. Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Ich sehe nicht, inwieweit dieser Glaubensgrundsatz durch die Maskenpflicht infrage gestellt wird. Ganz im Gegenteil.
Das Tragen (oder Nicht-Tragen) der Maske sollte kein Bekenntnis sein, sondern ein Akt der Barmherzigkeit. Und niemand hat gesagt, dass Barmherzigkeit immer leichtfällt. Es bedeutet oft Entbehrung. Jesus  fordert uns dazu heraus. Die Entscheidung muss ich selbst treffen. In aller Freiheit meine Freiheit einschränken meinen Nächsten zugute. Ich weiß natürlich, dass meine Barmherzigkeit nie ausreichen wird. Gottes Barmherzigkeit aber genügt. Und ich bitte ihn für dieses neue Jahr, dass er mir die Last meiner Anfechtungen nimmt und mir mehr und mehr diesen liebenden Blick für die Menschen schenkt, über die ich allzu oft unbarmherzig hinwegblicke. 

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