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An(ge)dacht
 

Monatsspruch Dezember

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lk 1,78-79

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An(ge)dacht

                                                                                                     von Tobias Sommer


Der verwundete Engel


Was erkennen Sie auf dem Bild vorn? Ein Mädchen, das beim Krippenspiel als Engel eine Bruchlandung hingelegt hat? Oder einen verletzten Engel, der von zwei Knaben gefunden wurde? Trifft Sie zuerst der vorwurfsvolle Blick des rechten Jungen, oder bleiben sie an dem Blumenstrauß hängen, den der Engel in der Hand hält? Ich erzähle Ihnen nun von solch einen verwundeten Engel. Eine Geschichte über Gott und uns Menschen. Eine weihnachtliche Geschichte. Inmitten der himmlischen Heerscharen stockt ein kleiner Engel mitten im Lobgesang. Der große Engel neben ihm bemerkt es. Er fragt: „Warum hörst du auf zu singen?“ Der kleine Engel antwortet: „Das »Ehre sei Gott in der Höhe!« singe ich aus vollem Herzen. Aber das »und Friede auf Erden« bringe ich nicht über die Lippen. Schau dir doch die Welt an mit ihren Kriegen und Hinterhalten, mit ihrem Streit und Hass. Ich kann das einfach nicht zusammenbringen!“ Der große Engel hat Angst, dass noch mehr Engel aus dem Lobgesang aussteigen. Er deutet auf die Erde, zeigt in den Stall von Bethlehem. „Du suchst eine Verbindung zwischen himmlischer und irdischer Welt? Da unten im Stall liegt sie. Jesus bringt den  himmlischen Frieden in die Welt. Er überbrückt den Zwiespalt.“ Der kleine Engel ist beruhigt: „So will ich fröhlich weitersingen.“ „Nein“, spricht da der große Engel, „du hast Mitgefühl gezeigt. Du wirst zur Erde niederfahren und dort den himmlischen Frieden zu den Menschen bringen. Lege ihnen die Sehnsucht danach in ihr Herz – Tag und Nacht. Durch Drohgebärden und  Provokationen hindurch musst du diesen Frieden tragen. Du wirst heuchlerische Worte aufdecken und die Menschen misstrauisch machen gegen falsche Töne. Du wirst nicht nur einmal vor die Tür gesetzt werden. Aber du bleibst hartnäckig sitzen auf ihrer Schwelle.
Nimm die Unschuldigen unter deine Flügel und führe die Bedrückten zum Recht. Du sollst als Friedensengel auf Erden bleiben.“ Und so zog der kleine Engel los und wirkte und wuchs dabei. Angefochten und immer neu verwundet tut er seither seinen Dienst. Er sorgt dafür, dass die Sehnsucht nach Frieden unsere Herzen nicht verlässt. Und er treibt uns an, den Frieden genau dort zu verwirklichen, wo wir leben. Und immer, wenn dieser geschundene Friedensengel uns berührt, dann können wir wie er ganz leise in der Ferne den Klang der himmlischen Heerscharen hören, der ihn und uns ermutigt:

„Ehre sei Gott in der Höhe und
Frieden auf Erden!“