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An(ge)dacht
 

Monatsspruch Juli

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Jak 1,19

Öffnungszeiten der Kanzlei

Dienstags 10-12°°
15-17°°
Donnerstags 10-12°°
Freitags 10-12°°

Sprechzeit von Pfarrer Tobias Sommer

dienstags 16°° - 18°°
oder jederzeit nach Terminabsprache

Informationen

An(ge)dacht

                                                                                                  von Tobias Sommer
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Ein gut gefülltes Wartezimmer. Ein Mann kommt herein und nimmt zwischen anderen Patienten Platz. Alle fünf Minuten ertönt ein akustisches Signal. Zur Verwunderung des Neuen erheben sich alle Wartenden für einige Sekunden und setzen sich dann wieder. Als das Signal das zweite Mal ertönt, erhebt sich auch der Neue, zunächst erkennbar verunsichert, nach ein paar Mal aber wie selbstverständlich. Stück für Stück leert sich der Warteraum. Irgendwann sitzt der Mann allein im Zimmer. Als das Signal ertönt, steht er auf, obwohl er nicht weiß, warum er das tut und ihn niemand beobachtet. Neue Wartende treten ein und ahmen ihn nach, ohne dass sie wüssten, warum. Natürlich handelt es sich beim gerade Beschriebenen um ein psychologisches Experiment. Forscher wiesen damit nach, dass wir Menschen oftmals Dinge tun, die allgemein und sogar für uns selbst keinen Sinn machen – nur deshalb, weil die anderen es auch tun. Die Wissenschaftler zeigten damit, dass wir uns in Gruppen anpassen, konform gehen und unser Handeln nicht mehr überdenken. Diese Erkenntnis im Hinterkopf höre ich den Satz des Apostels Petrus:
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29)
Bin ich nicht auch manchmal so angepasst? Schaue ich nicht selbst oft darauf, was andere machen und denken und sagen, um zu wissen, was ich tun soll? Und was mache ich, wenn mein Glaube, wenn Gott mir etwas anderes sagt, als das, was alle anderen sagen? Kommt dann nicht Zweifel auf: „Kann das richtig sein, wenn doch alle anderen etwas anderes behaupten?“ Und ich fühle mich plötzlich orientierungslos. Ich glaube, dass unsere Beziehung zu Gott uns Orientierung geben kann, gerade weil wir dabei nicht mehr nur auf die anderen schauen, sondern nach Gottes Willen fragen und dadurch einen weiten Blick und eine andere Perspektive gewinnen. Kann das, was alle tun, denn gegen Gottes Willen stehen? Zumindest ist nicht automatisch alles gut, weil es schon immer so gewesen ist. Das Spannende des oben beschriebenen Experimentes ist, dass die Versuchspersonen sich selbst dann noch angepasst verhielten, als die anderen schon
lange nicht mehr da waren. Aus der Geschichte unseres Landes und auch aus meiner Biographie weiß ich, wie verhängnisvoll es sein kann, wenn Menschen nur danach schauen, was die anderen tun und sich kein kritisches Urteil bilden. Und so ruft uns Petrus dazu auf, achtsam zu sein und Gottes Wort zwischen den Stimmen der anderen ernst zu nehmen.
Möge Gott uns den Mut dazu schenken.

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